Mittwoch, 15. Januar 2014

Schiffsreise

Mit dem Dampfer zu fahren ist für mich so ein Zeichen des Erfolgs von Beharrlichkeit. Wir dürften über 4000 km zurückgelegt haben - mit Fahrradgeschwindigkeit. Solche Entfernungen und dann 25 km/h, da stellt sich zunächst das Gefühl ein, wie ist das möglich, innerhalb von 2 Wochen? Langsam aber beharrlich eben.

Außerdem wird intensiv erfahrbar, dass unser Planet mit ziemlich viel Wasser bedeckt ist. 

Auf dem Schiff ist gute Laune angesagt. Bereits beim Frühstück wird gescherzt, am Pool gelacht, beim Schiffebastelnwettbewerb, bei Aerobic, wenn der Kapitän und die Offiziere auftreten immer launig locker, alles easy, bei der Showtime sowieso und der Cruise Director ist ja die gute Laune in Person. Alles funny, great, beautyful, amazing. Da fehlt dann doch der deutsche Trübsinn ab und an. Wenn's mir zu bunt wird, bleibt ja die IGM-Presseschau. Ob's auf dem Traumschiff auch so zugeht? Habe leider noch keine Minute davon gesehen. 

Doch man kann der Bespaßung auch ausweichen. Nicht nur auf die stille Treppe. In der Bibliothek findet man sogar deutschsprachige Bücher, wer's mag, kann sich auf Filme auf deutsch anschauen.

Die Leute auf dieser Reise sind eher sportlich, das Gym stets gut ausgelastet, die Joggingstrecke immer belebt, die sportlich animierten Angebote fast überlaufen. Als Ausgleich bildet sich mittags die längste Schlange vor der Burgerbude.  Es wird aber auch viel gelesen, wobei das eBook schwer auf dem Vormarsch ist. 

Der ganze Vergnügungsdampfer muss natürlich auch betrieben werden. 1100 Leute machen das. Es wird ja alles selbstgemacht, der Antrieb, der Strom, es muss in Gang gehalten und repariert werden. Licht, Ton, Bühnentechnik, Küchen... Das Ganze wäre ein gutes Muster, auch für Industrie-Service und mehr. Täglich müssen sicher mehr als 25000 Handtücher gewaschen werden. Die Lebensmittel und Getränke. Fisch wird an Bord sogar selbst geräuchert. Kranke erwarten Heilung.

Was fällt noch so auf? Amerikaner sind gerne verwirrt, wenn jemand nicht ihre Sprache spricht oder auch nur ihren Südstaatendialekt nicht versteht. Sie sind stolz auf ihre Herkunft, fällt beispielsweise in einer Show das Wort Alabama, kreischen die Eingeborenen von dort beglückt auf.

Glücklich sind auch die Australier, wenn sie erfahren, dass wir noch ein wenig hier bleiben. Jede und jeder hat Tipps, was man machen kann und sehen muss. 

Das gute Bäckerdutzend Deutsche hier an Bord genießt ansonsten bei den US-Amerikanern, Kanadiern, Aussies und Kiwis ein bisschen Exotenstatus. Ja, manche einer ist schon mal auf dem Frankfurter Airport umgestiegen, jemand war auch schon mal in Berlin oder mit einem Kreuzfahrtschiff wenigstens in Hamburg. Immerhin gibt's ein Minderheitenprogramm: Täglich deutschsprachige Infos zur Reise und sogar eine Presseschau mit den wichtigsten Agenturmeldungen aus Berlin und Umgebung. Und die osteuropäischen Servicekräfte sprechen sogar ebenfalls vielfach deutsch, zwei Fremdsprachen sind heute für jeden Hilfskellner Pflicht.

Das Beste aber - Schiffsreise heißt, man ist praktisch stationär, und die Welt kommt vorbei. Von der Nordspitze Neuseelands bis zur Südspitze, Tasmanien, Südaustralien, die Südostküste, Landschaften, Tiere (Achtung, Verwechselungsgefahr, nicht jedes runde Säugetier, was sich in der Sonne rekelt, ist ein Seelöwe), alles ohne Kofferein- und -auspacken. Wenn's denn nicht reichlich teuer wäre, würde ich gerne so nach D zurückreisen.



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